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"Preise wie im Freudenhaus"

Ökonom Helmut Becker über Mittelstandsratings.
Becker, Leiter des Münchner Instituts für Wirschaftsanalyse und Kommunikation, saß als wissenschaftlicher
Mitarbeiter im Sachverständigenrat, leitete die wirtschaftspolitische Abteilung bei BMW.
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Herr Becker, Rating ist im deutschen Mittelstand bislang kein Thema. Warum?
Bislang war es für den Mittelstand kaum nötig, sich
extern prüfen zu lassen. Er konnte sich auf den Kontakt zu seiner Hausbank beschränken - von der er ja auch seine Kreditwürdigkeit untersucht wurde - allerdings ohne das Ergebnis zu erfahren.
Und warum soll es einem Mittelständler plötzlich nicht mehr genügen, seinen Finanzbedarf über die Hausbank abzuwickeln?
Aus mehreren Gründen: Rating sorgt für Wettbewerb. Wer eine gute Expertise erhält, kann bei einer anderen Bank möglicherweise bessere Zinskonditionen aushandeln als bei seiner Hausbank.
Der sind sie doch bisher ausgeliefert, müssen zum Teil Freudenhauspreise für ihre Kredite bezahlen. Das wird sich durch den Wettbewerb im Bankensektor noch verschärfen. Die Banken
kümmern sich doch lieber um Investmentbanking für große als um Kreditvergabe für kleine Kunden.
Welche Alternative hat der Mittelstand?
Er muss sich neue Finanzquellen erschließen, unabhängig von seiner Hausbank, gerade angesichts der immer wieder beschworenen Finanzierungslücke. Die traditionelle Unternehmensfinanzierung
in Deutschland über Bankkredite befindet sich im Wandel - hin zur Aktie und zu Unternehmensanleihen. Ohne Rating geht das nicht. Vor allem aber erhält ein Unternehmen durch ein Rating
Überblick über seine Wettbewerbsfähigkeit im Markt. Und bekommt so Informationen, die es sonst nie erhalten würde.
Das könnte auch ein Unternehmensberater leisten....
Die beleuchten meist nur einen Teil des Unternehmens. Einen ganzheitlichen Ansatz liefern sie nicht. Ein Rating gibt da einen wesentlichen umfassenderen Einblick.
Vielen Mittelständlern sind externe Ratings einfach zu teuer...
Dass bankinterne Ratings kostenlos sind, ist doch Illusion. Die Gebühren tauchen nur nirgends auf.
Da geht man besser gleich zu einer externen Agentur. Inzwischen gibt es zu den etablierten , aber teuren internationalen Häusern ja auch Alternativen. Die neuen Agenturen sind zwar kleiner, aber günstiger.
........
Zum zweiten Teil des Interviews
weiter >>
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