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Volkswirte sind in!

Von Dr. Helmut Becker, Börsenzeitung 25.09.2001
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Zum ersten Teil des Artikels
Umfassende Sicht
Das Denken in gesamtwirtschaftlichen Kategorien, wie Volkswirte es eingebläut bekommen, entspricht nicht
dem derzeit angesagten "main stream". Es mag Juristen und Betriebswirten in führenden Positionen bei Banken
und Industrieunternehmen in Verfolgung von Shareholder Value gut anstehen, für ihr Institut Renditeziele von
15% und mehr zu reklamieren.
Volkswirte tun sich dabei schwer, wohl wissend, dass die reale Welt einschließlich Inflation in Summe
bestenfalls 7% bis 10% jährlich hergibt.
Für einige Marktteilnehmer kann die Rechnung also nicht aufgehen, und viele bleiben auf der Strecke. Ähnliches gilt im
Geschäft mit Fusionen und Unternehmenskäufen oder in der Telekommunikation. Volkswirte wissen, dass die Welt
endlich ist, dass das M&A-Geschäft zu Ende ist, wenn das letzte Unternehmen fusioniert worden ist. Volkswirte
wissen, dass nicht alle Unternehmen überleben werden, die für sich mit jährlichen Wachstumsraten von 20% rechnen,
wenn der Markt auf Dauer nur mit 10% wächst. Betriebswirte wissen das auch, aber sie müssen/dürfen so tun, als
wüssten sie es nicht - das ist der Unterschied.
Bereits in der ersten Vorlesung "Grundlagen der Volkswirtschaft" wird den Studenten vermittelt, dass das
"Minimax-Prinzip" nicht funktioniert, nämlich mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Ertrag zu erwirtschaften.
Es entspricht aber der menschlichen Natur, dass trotzdem immer wieder versucht wird, dieses eherne Prinzip aus den
Angeln zu heben und gegen den Stachel zu löcken.
Süßes Gift
Wie man - scheinbar - das meiste Geld mit dem geringsten Aufwand verdient, haben der Neue Markt und die als Börsenhausse
junger Unternehmen falsch verstandene New Economy ja lange Zeit auch vorgemacht. Das süße Gift der schnellen Mark hat
voll gewirkt. Die Betäubung hielt lange an, doch jeder, der nachdachte, wusste, sie ist nicht von Dauer. Irgendwann muss
der Proband wieder in die Realität zurückgeholt werden. Und tatsächlich: Die Party ist vorbei, der Kater aber noch lange nicht.
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