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Externes und internes Rating - vergleichbar oder zwei Paar Schuhe?


Von Dr. Helmut Becker,
Börsenzeitung 05.10.2001

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Bank ist "Partei"
Unabhängig davon erscheint es dennoch verfehlt, das von Banken durchgeführte Rating mit dem der externen Agenturen auf eine Ebene zu stellen. Externe und interne Ratings unterscheiden sich schließlich schon in deren Zielsetzung. Das Ratingverfahren in einer Bank wird zur eigenen Meinungsbildung über die im Portfolio der Bank enthaltenen Kreditrisiken und zur Kreditrisikosteuerung eingesetzt wird. Das heißt, die Bank ist "Partei".
Eine Ratingagentur tritt dagegen weder auf der Kapitalgeber- noch auf der Kapitalnehmerseite als Marktteilnehmer auf. Die Dienstleistung einer Ratingagentur besteht allein darin, neutrale Urteile über die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen zu bilden. Bei ihr vermengen sich nicht die unterschiedlichen Interessen und Ansprüche, die sich im Spannungsfeld der Beziehungen zwischen den verschiedenen Marktteilnehmern ergeben. Vielmehr reduzieren die veröffentlichten Bonitätsnoten der Ratingagenturen bestehende Informationsasymmetrien zwischen Kapitalgebern und -nehmern.
Und der letztlich wichtigste Unterschied zwischen externen und internen Ratings ist in deren unterschiedlichem Standardisierungsgrad zu sehen. Im Gegensatz zu externen Ratings liegt der Schwerpunkt bankinterner Ratings nach wie vor auf der Erfassung und Auswertung quantitativer Faktoren (i.d.R. Bilanzkennzahlen) - wenngleich der Trend laut Aussage der Banken dahin gehen soll, den "qualitativen" Faktoren mehr Bedeutung und damit auch mehr Gewicht einzuräumen.

Weiche Faktoren
Zu erwarten ist aber, dass die meisten Banken eine stärkere Berücksichtigung sog. "weicher Faktoren", die mit einem relativ großem Analyseaufwand verbunden ist, vorerst überwiegend nur bei Großkunden - also bei Kunden, bei denen sich eine tief gehende Fundamentalanalyse, wie sie die Ratingagenturen bei all ihren Kunden durchführen, auch "rechnet".
Bei bankinternen Ratings ist eine umfassende Fundamentalanalyse aller Kreditkunden allein schon auf Grund der hohen Stückzahl der zu bewertenden Adressen nicht durchführbar. Zumindest bislang fehlt es den Banken, selbst den großen, hierzu an qualifiziertem Personal in ausreichendem Umfang. So ist etwa auch der Zukauf von Branchenexpertise von außen unverzichtbar, weil mit eigenem Personal nicht zu leisten. Dem häufig vorgetragenen Argument der Banken, dass mittelständische Unternehmen bei ihrer Bank ein "quasi externes Rating" wesentlich preiswerter erhalten als bei einer externen Agentur, kann insofern auch kaum widersprochen werden - geringerer Ratingaufwand verursacht naturgemäß geringere Kosten! Das Argument, dass aufgrund der oft langjährigen Geschäftsbeziehung und entsprechenden Kenntnissen der Bank Firmenkunden eine vergleichsweise fairere Bonitätsbewertung erhalten als bei einer externen Agentur muss aber in Anbetracht der Zeit, die jeder Kundenbetreuer pro Kreditkunde zur Verfügung hat, doch stark bezweifelt werden. Eigentlich liegt hier - wie dargestellt - die Interessenlage genau anders.

Unterschiedliche Ziele

Fazit der IWK Studie: Bankinternes Rating kann externes Rating nicht ersetzen. Soll es auch gar nicht, da mit bankinternem Rating eine andere Zielsetzung verfolgt wird. Vereinfacht ausgedrückt: Internes Rating soll die Bank schützen, externes Rating das Unternehmen.
 
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