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Zum ersten Teil des Artikels
Bank ist "Partei"
Unabhängig davon erscheint es dennoch verfehlt, das von Banken durchgeführte Rating mit dem der
externen Agenturen auf eine Ebene zu stellen. Externe und interne Ratings unterscheiden sich
schließlich schon in deren Zielsetzung. Das Ratingverfahren in einer Bank wird zur eigenen
Meinungsbildung über die im Portfolio der Bank enthaltenen Kreditrisiken und zur
Kreditrisikosteuerung eingesetzt wird. Das heißt, die Bank ist "Partei".
Eine Ratingagentur tritt dagegen weder auf der Kapitalgeber- noch auf der Kapitalnehmerseite
als Marktteilnehmer auf. Die Dienstleistung einer Ratingagentur besteht allein darin, neutrale
Urteile über die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen zu bilden. Bei ihr vermengen sich nicht die
unterschiedlichen Interessen und Ansprüche, die sich im Spannungsfeld der Beziehungen zwischen
den verschiedenen Marktteilnehmern ergeben. Vielmehr reduzieren die veröffentlichten
Bonitätsnoten der Ratingagenturen bestehende Informationsasymmetrien zwischen Kapitalgebern
und -nehmern.
Und der letztlich wichtigste Unterschied zwischen externen und internen Ratings ist in deren
unterschiedlichem Standardisierungsgrad zu sehen. Im Gegensatz zu externen Ratings liegt der
Schwerpunkt bankinterner Ratings nach wie vor auf der Erfassung und Auswertung quantitativer
Faktoren (i.d.R. Bilanzkennzahlen) - wenngleich der Trend laut Aussage der Banken dahin gehen
soll, den "qualitativen" Faktoren mehr Bedeutung und damit auch mehr Gewicht einzuräumen.
Weiche Faktoren
Zu erwarten ist aber, dass die meisten Banken eine stärkere Berücksichtigung sog.
"weicher Faktoren", die mit einem relativ großem Analyseaufwand verbunden ist,
vorerst überwiegend nur bei Großkunden - also bei Kunden, bei denen sich eine tief
gehende Fundamentalanalyse, wie sie die Ratingagenturen bei all ihren Kunden durchführen,
auch "rechnet".
Bei bankinternen Ratings ist eine umfassende Fundamentalanalyse aller Kreditkunden allein
schon auf Grund der hohen Stückzahl der zu bewertenden Adressen nicht durchführbar. Zumindest
bislang fehlt es den Banken, selbst den großen, hierzu an qualifiziertem Personal in ausreichendem
Umfang. So ist etwa auch der Zukauf von Branchenexpertise von außen unverzichtbar, weil mit
eigenem Personal nicht zu leisten.
Dem häufig vorgetragenen Argument der Banken, dass mittelständische Unternehmen bei ihrer Bank
ein "quasi externes Rating" wesentlich preiswerter erhalten als bei einer externen Agentur, kann
insofern auch kaum widersprochen werden - geringerer Ratingaufwand verursacht naturgemäß geringere
Kosten! Das Argument, dass aufgrund der oft langjährigen Geschäftsbeziehung und entsprechenden
Kenntnissen der Bank Firmenkunden eine vergleichsweise fairere Bonitätsbewertung erhalten als bei
einer externen Agentur muss aber in Anbetracht der Zeit, die jeder Kundenbetreuer pro Kreditkunde
zur Verfügung hat, doch stark bezweifelt werden. Eigentlich liegt hier - wie dargestellt - die
Interessenlage genau anders.
Unterschiedliche Ziele
Fazit der IWK Studie: Bankinternes Rating kann externes Rating nicht ersetzen. Soll es auch gar nicht,
da mit bankinternem Rating eine andere Zielsetzung verfolgt wird. Vereinfacht ausgedrückt:
Internes Rating soll die Bank schützen, externes Rating das Unternehmen.
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