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Cover PRODUKTION Business as usual nach dem 11. September


Von Dr. Helmut Becker, Börsenzeitung 09.02.2002
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Die vielzitierte große Krise der Weltwirtschaft ist ausgeblieben. Alle zwischenzeitlich bekannt gewordenen Wirtschaftsindikatoren deuten daraufhin, dass durch die Ereignisse des 11. September zumindest in USA sogar stimulierende Kräfte freigesetzt worden sind, die sonst unter der Lethargie der allgemeine für unvermeidlich gehalten Abschwächung der US-Konjunktur vor sich hin gedämmert hätten. Dass nach 10 Jahren US-Konjunkturaufschwung mit durchschnittlichen Wachstumsraten beim BIP und beim realen privaten Verbrauch von 4 bis 5%, ein natürlicher Konjunkturrückgang selbstverständlicher war, war 2001 ohnehin allgemein erwartet worden. Zumal die Endphase des US-Booms von einem neuen Wachstumssektor der Volkswirtschaft, der IT- und Kommunikationsindustrie, vorangetrieben worden war. Mit allen aus der Wirtschaftsgeschichte der letzen 150 Jahre bekannten Symptomen von Überinvestitionen und anschließender Überkapazitätskrise.

Was den meisten Wirtschaftsanalysten nicht klar war: Die Krise in der Chipindustrie im Jahre 2001 ist nichts besonders im Vergleich zu allen anderen vorangegangen Strukturkrisen in der modernen Wirtschaftsgeschichte der letzen zwei Jahrhunderte. Aber wen interessiert schon Wirtschaftsgeschichte, wenn die nächsten Quartalsergebnisse die Job entscheidende Strategievariable sind. Überinvestitionskrisen hat es zu allen Zeiten gegeben, in der Eisenbahn- und Stahlindustrie im 19 Jahrhundert oder in der Automobil-. Kühlgeräte-, Keramikbranche etc nach dem 2. Weltkrieg. Wenn zum Beispiel der Weltmarkt für Automobile jährlich im Trend nur einen Absatz von 55 Mio. Fahrzeugen erlaubt, und die Hersteller bauen in Summe Kapazitäten für die Produktion von 70 Mio. Automobilen auf, kann die Rechnung nicht aufgehen, jedenfalls nicht für alle. Ungeschoren kommt dennoch keiner davon!

Dass indessen gerade im Chipsektor Anzeichen einer Konsolidierung und konjunkturellen Trendumkehr unverkennbar sind, hat mit den umfangreichen Ausgabenprogrammen für Militär und Sicherheit beim Staat und der Privatwirtschaft im Anschluß an den 11.September zu tun. Der notwendige Kapazitätsschnitt im Globalmaßstab in der Chipindustrie wurde dadurch zwar nicht vermieden, wohl aber gemildert und weniger krisenhaft ausgestaltet.

Reine Marktwirtschaftler von altem Schrot und Koren mögen die vielen Subventionszahlungen und Hilfsbegehren - angefangen von staatlichen - und stattlichen – Zahlungen an marode Fluglinien bis hin zur Legalisierung von Bewertungstricks bei Versicherungen und Verschrottungsprämien für Automobile, wie von Herrn Piech gefordert – als Sünde wider die reine Lehre verdammen. Unbestreitbar sollte jedoch sein, dass alle diese Maßnahmen und Programme ganz im Keyneschen Sinne den Absturz der Weltkonjunktur verhindert haben, weil sie einen psychologischen Umschwung bei Investoren und Verbrauchern bewirkt haben. Wozu, der Vollständigkeit halber erwähnt, auch Allen Greenspan und die amerikanische Geldpolitik ein gerüttelt Maß an Anteil hatten – wenn nicht sogar den Hauptanteil!

Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass Verantwortung für die Weltwirtschaft nur einen wirtschaftliche Großmacht wie die USA tragen kann. Und dies auch diesmal, wie nach der Asienkrise 1998, durchaus erfolgreich getan hat. Das Vertrauen der amerikanischen Verbraucher und Einkäufer in den Unternehmen zeigt nach November 2001 wieder eindeutig nach oben, die vorgelegten Quartalszahlen für BIP und Ertragslage wichtiger Unternehmen fielen besser aus als erwartet. Amerikanische Hauhalte haben im November, Dezember 2001 noch niemals so viele Autos gekauft wie nach dem 11. September - allerdings waren Autos auch noch niemals so billig zu haben, zumindest amerikanische. Das dabei ausschließlich, subventioniert durch die Big Three, Nachfrage vorgezogen wurde, die dann erwartungsgemäß in 2002 fehlt, ist den US-Marketingstrategen offensichtlich nicht klar gewesen. Wichtig ist indessen, dass die amerikanischen Verbraucher trotz der psychologischen Belastungen durch die politischen Ereignisse gekauft haben. Die Psyche ist also noch intakt und keineswegs angeschlagen.

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