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Nimmt Basel II den Mittelstand in die Kreditklemme?

Von Dr. Helmut Becker, Rating Aktuell 3/2002
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Zum ersten Teil des Artikels
Eines ist in jedem Fall klar: Die bisherige Kunde-Bank-Beziehung wird auf eine neue Grundlage gestellt. Für das kreditsuchende Unternehmen bedeutet Basel
II in erster Linie, dass es sich mit den Anforderungen eines Ratings auseinander setzen und intern rechtzeitig die Weichen für eine gute Beurteilung
durch seine Bank stellen muss.
Unabhängig davon, ob ein Unternehmen sich von einer externen Agentur bewerten lässt oder nicht, wird es künftig
gezwungen sein, eine professionelle Informationspolitik gegenüber seinen Banken zu fahren. Damit die Banken zu einem gesicherten Ratingurteil gelangen
können, müssen diese bei jedem einzelnen Firmenkunden eine fundierte Risikoanalyse durchführen. Dies ist nur möglich, wenn sich die Bank intensiv mit ihren
Kunden befasst. Seitens der Unternehmen setzt dies eine erhöhte Bereitschaft zur Offenlegung von Unternehmensinformationen gegenüber ihrem Kreditinstitut
voraus. Dies ist aus vielerlei Gründen bei Eigentümerunternehmern häufig nicht der Fall.
Die Unternehmen werden sich mit Basel II darauf einstellen müssen, viel genauer unter die Lupe genommen zu werden. Um eine bestmögliche Bewertung zu erhalten, wird es von entscheidender Bedeutung sein,
das Rating der Bank nicht lediglich über sich ergehen zu lassen, sondern von sich aus – neudeutsch: proaktiv – um eine zutreffend positive Darstellung
bemüht zu sein. Oder anders ausgedrückt: Wer undurchsichtig bilanziert, muss künftig für Kredite mehr zahlen – wenn er überhaupt noch welche bekommt!
Gefragt ist künftig Transparenz und Offenheit. Dies bedeutet eine umfassende, systematische und zeitnahe Bereitstellung aller Rating relevanter
Informationen. Vorrangig wird es hier um den Nachweis aussagefähiger Zahlen zur aktuellen und künftig erwarteten Geschäftslage gehen. Das Problem ist heute,
dass in den meisten mittelständischen Unternehmen diese Informationen nicht vorliegen – zumindest nicht in professionell und strukturiert
aufbereiteter Form Das IWK geht in seiner Studie ausführlich auf diese – von Bank zu Bank unterschiedlichen – Faktoren ein.
Geht man davon aus, dass die Bereitschaft zur Transparenzerhöhung sowohl auf Banken- wie auch auf Unternehmensseite vorhanden ist, stellen sich aus
Unternehmersicht zwei weitere wichtige Fragen: 1. Wer kümmert sich um die interne Erfassung der für das Rating erforderlichen
Unternehmensinformationen und deren Aufbereitung? 2. Welche Faktoren bestimmen die Bonität meines Unternehmens und wie kann diese verbessert werden?
Erst wenige Rating-Experten
Hilfestellung bei der Identifikation bonitätskritischer Faktoren und vor allem auch bei der Verbesserung
evtl. bestehender Schwachstellen wird kaum von den Bankkundenbetreuern gegeben werden. Diese sind damit überfordert. Hilfe kann nur von Steuerberatern
und Wirtschaftsprüfern kommen, die sich sowohl mit Basel II wie mit den konkreten künftigen Anforderungen der Bank an ihre Kreditkunden auskennen.
Und das sind nach den Recherchen des IWK nicht so viele.
........
Zum dritten Teil des Artikels
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