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Cover Heute heute.de, 16.07.2005

"In die Zulieferindustrie setze ich
meine ganze Hoffnung"


Ex-BMW-Chefvolkswirt Becker im heute.de-Interview

von Frank R. Schulz

Der "Landwind" des chinesischen Automobil-Konzerns Mao treibt den Preiskampf der Branche weiter an. Dr. Helmut Becker, Ex-Chefvolkswirt von BMW, schildert im Gespräch mit heute.de, welche Hersteller als Sieger aus der Preisschlacht hervorgehen und warum die Zulieferindustrie so bedeutsam für Deutschland ist.

heute.de: Volumen-Hersteller der Mittelklasse werden es künftig durch Billig-Angebote aus China noch schwerer haben. Reicht der Innovations-Vorsprung von VW und Opel aus, um deren Kunden zu halten?

Helmut Becker: Ich fürchte nein, da Innovationsvorsprünge immer mehr Geld kosten. Außerdem sitzt den Käufern dieses Segments das Geld nicht gerade locker. Die strategische Zielsetzung bei VW & Co kann also nur heißen, Innovationen zu niedrigeren Kosten als bisher anzubieten.

heute.de: Welche Marke wird den globalen Preiskampf überleben? Wer hat die besten Chancen dem Verdrängungwettbewerb zu trotzen?  

Helmut Becker: Nach den Studien zu meinem neuen Buch "Crashkurs" belegt BMW zurzeit den zweiten Platz hinter Toyota. Unter den deutschen Unternehmen nimmt VW knapp hinter Daimler den letzten Platz ein, allerdings noch deutlich vor den französischen und italienischen Wettbewerbern. Opel und Ford wurden nicht separat ausgewiesen, sondern mit ihren US-Müttern bewertet, Porsche war zu klein, stünde aber sicher auf Platz eins.

heute.de: Ihrer Einschätzung liegt der IWK-Survival-Index (ISI) zu Grunde. Welche Faktoren spielen darin eine Rolle?

Zitat

Es wird keinen "big bang" geben, sondern ein schleichendes Siechtum.
Helmut Becker

Becker: Der IWK-Survival-Index (ISI) misst die Überlebens- und Zukunftsfähigkeit der elf großen Automobilkonzerne. Die Kriterien:

  • hard facts: Finanzdaten und empirischen Fakten; Niveau und Historie des Unternehmens.

  • soft facts: Strategie, Organisation, Personalführung, subjektive Einschätzung des IWK.

Der Index beschreibt die Situation aus heutiger Sicht. Er liefert eine Status Quo-Prognose. Grundlage sind die heutigen Tendenzen und deren fiktive Fortsetzung bis 2015. In Wirklichkeit tut sich natürlich jedes Jahr eine ganze Menge. VW hat zum Beispiel Dr. Bernhard als Sanierer an Bord geholt und gleichzeitig die Macht der Gewerkschaft gebrochen. Die Hauptverantwortlichen für den Arbeitskostenfilz, der VW in den Ruin treibt, wurden entlassen. Alles Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung. Der Index muss also stetig fortgeschrieben werden.

Vielleicht bekommt VW ungeahnte Hilfe von Toyota, falls die Japaner die Preise erhöhen. Das hat Toyota auch in den USA getan und damit GM etwas Linderung im Preiskampf verschafft.
 

heute.de: In den USA, dem wichtigsten Automarkt der Welt, finden mörderische Rabattschlachten statt. Wer von den big three in den USA wird überleben, wer scheidet aus?

Infobox

"Auf Crashkurs"


In seinem neuen Buch beschreibt Helmut Becker wie gefährdet der Auto-Standort Deutschland ist.


Titel: Auf Crashkurs
267 Seiten, ISBN 3-540-25823-X
Preis: 69,95 Euro


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Becker: Chrysler hat aufgrund der Unterstützung durch Daimler sicher ganz gute Chancen, was allerdings auf Kosten der Marke Daimler Benz geht. Rein strategisch betrachtet hat GM (General Motors) die schlechtesten Überlebenschancen, allerdings dürfte die schiere Größe dieses Unternehmens schon aus rein politischen Gründen dafür sorgen, dass es so schnell nicht vom Markt verschwindet

Es wird keinen "big bang" geben, sondern ein schleichendes Siechtum. Was aber der amerikanischen Volkswirtschaft letztlich egal sein kann, da in dem Tempo, wie GM und Ford Fabriken schließen, Toyota , Hyundai & Co Fabriken neu eröffnen. Der Markt für sich bleibt ja bestehen, nur die Anbieter werden ausgetauscht.

MEDIATHEK

China's Autos

Video Chinas Autos kommen nach Deutschland
 

heute.de: Der Mao Landwind (ähnlich Opel Frontera) ab 17.000 Euro zeigt, was auf uns zu kommt. Die ersten 200 Modelle eines niederländischen Importeurs gingen weg wie warme Semmeln. Deutsche Expertern hoffen, Verbraucher könnten sich an billigem Plastik, schludrig montierten Gummi-Dichtungen, langen Schaltwegen oder Motor-Technik von vor zehn Jahren abschrecken lassen. Glauben Sie das auch?  

Becker: Nein. "Geiz ist geil". Eben darum gingen sie auch weg wie warme Semmeln. Und die nächsten 1500 Stück werden auch so weg gehen. Allerdings sind das noch keine Volumen, die die etablierten Hersteller hier schrecken müssen.

Aber: Was passiert, wenn die Chinesen die Qualität in den Griff kriegen und die Autos immer noch billig bleiben? Und genau so wird es kommen. Das heißt dann nichts anderes, als das im ohnehin schon gesättigten westeuropäischen Automarkt eine neue Runde im Verdrängungswettbewerb eingeläutet wird. Mit anderen Worten: Der Crashkurs der gesamten Branche wird durch zusätzlich importierte chinesiche Automobile wie den Landwind nur weiter beschleunigt.

 

Chinesisches Billigauto "Landwind"

Landwind rollte am 5.Juli in Antwerpen vom Frachter

 

heute.de: Was können wir Deutsche asiatischen Herstellern entgegensetzen, wenn sie auch Qualität liefern und "emotionalisieren"?  

Becker: Da helfen nur niedrigere, wettbewerbsfähigere Kosten. Zu diesem Ziel gibt es zwei Wege: Schließung der Fertigung hierzulande und Abwanderung an einen Niedriglohn-Standort. Oder: Mehr und besser arbeiten zu niedrigeren Löhnen und Kosten. Die Gesetze der Betriebswirtschaft sind hart aber leider nicht veränderbar.


........
 
Zum zweiten Teil des Interviews                  weiter >>

[Das Interview finden Sie im Archiv von ZDF-heute.de]

PRESSE
 

Cover Manager Magazin
 
"VW ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft"

Interview
Dr. Becker in Manager Magazin
[07/2005]

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PRESSE
 


 
"In die Zulieferindustrie setze ich meine ganze Hoffnung"

Ex-BMW-Chefvolkswirt Becker im heute.de-Interview
[07/2005]

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