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Der "Landwind" des chinesischen Automobil-Konzerns Mao treibt den Preiskampf der Branche weiter an. Dr. Helmut Becker, Ex-Chefvolkswirt von BMW, schildert im Gespräch mit heute.de, welche Hersteller als Sieger aus der Preisschlacht hervorgehen und warum die Zulieferindustrie so bedeutsam für Deutschland ist.
heute.de:
Volumen-Hersteller der Mittelklasse werden es künftig durch
Billig-Angebote aus China noch schwerer haben. Reicht der
Innovations-Vorsprung von VW und Opel aus, um deren Kunden zu
halten?
Helmut Becker: Ich fürchte nein, da Innovationsvorsprünge
immer mehr Geld kosten. Außerdem sitzt den Käufern dieses Segments
das Geld nicht gerade locker. Die strategische Zielsetzung bei VW &
Co kann also nur heißen, Innovationen zu niedrigeren Kosten als
bisher anzubieten.
heute.de:
Welche Marke wird den globalen Preiskampf überleben? Wer hat die
besten Chancen dem Verdrängungwettbewerb zu trotzen?
Helmut Becker:
Nach den Studien zu meinem neuen Buch "Crashkurs" belegt BMW zurzeit
den zweiten Platz hinter Toyota. Unter den deutschen Unternehmen
nimmt VW knapp hinter Daimler den letzten Platz ein, allerdings noch
deutlich vor den französischen und italienischen Wettbewerbern. Opel
und Ford wurden nicht separat ausgewiesen, sondern mit ihren
US-Müttern bewertet, Porsche war zu klein, stünde aber sicher auf
Platz eins.
heute.de:
Ihrer
Einschätzung liegt der IWK-Survival-Index (ISI) zu Grunde. Welche
Faktoren spielen darin eine Rolle?
Zitat
Es wird keinen "big bang" geben, sondern ein schleichendes
Siechtum.
Helmut Becker
Becker:
Der
IWK-Survival-Index (ISI) misst die Überlebens- und Zukunftsfähigkeit
der elf großen Automobilkonzerne. Die Kriterien:
-
hard facts:
Finanzdaten und empirischen Fakten; Niveau und Historie des
Unternehmens.
-
soft facts:
Strategie, Organisation, Personalführung, subjektive
Einschätzung des IWK.
Der Index
beschreibt die Situation aus heutiger Sicht. Er liefert eine Status
Quo-Prognose. Grundlage sind die heutigen Tendenzen und deren
fiktive Fortsetzung bis 2015. In Wirklichkeit tut sich natürlich
jedes Jahr eine ganze Menge. VW hat zum Beispiel Dr. Bernhard als
Sanierer an Bord geholt und gleichzeitig die Macht der Gewerkschaft
gebrochen. Die Hauptverantwortlichen für den Arbeitskostenfilz, der
VW in den Ruin treibt, wurden entlassen. Alles Voraussetzungen für
eine erfolgreiche Sanierung. Der Index muss also stetig
fortgeschrieben werden.
Vielleicht bekommt VW ungeahnte Hilfe von Toyota, falls die Japaner
die Preise erhöhen. Das hat Toyota auch in den USA getan und damit
GM etwas Linderung im Preiskampf verschafft.
heute.de:
In den USA,
dem wichtigsten Automarkt der Welt, finden mörderische
Rabattschlachten statt. Wer von den big three in den USA wird
überleben, wer scheidet aus?
Infobox
"Auf Crashkurs"
In seinem neuen Buch beschreibt Helmut Becker wie gefährdet der
Auto-Standort Deutschland ist.
Titel: Auf Crashkurs
267 Seiten, ISBN 3-540-25823-X
Preis: 69,95 Euro
Hier bestellen
Becker:
Chrysler hat
aufgrund der Unterstützung durch Daimler sicher ganz gute Chancen,
was allerdings auf Kosten der Marke Daimler Benz geht. Rein
strategisch betrachtet hat GM (General Motors) die schlechtesten
Überlebenschancen, allerdings dürfte die schiere Größe dieses
Unternehmens schon aus rein politischen Gründen dafür sorgen, dass
es so schnell nicht vom Markt verschwindet
Es wird keinen "big bang" geben, sondern ein schleichendes Siechtum.
Was aber der amerikanischen Volkswirtschaft letztlich egal sein
kann, da in dem Tempo, wie GM und Ford Fabriken schließen, Toyota ,
Hyundai & Co Fabriken neu eröffnen. Der Markt für sich bleibt ja
bestehen, nur die Anbieter werden ausgetauscht.
MEDIATHEK

Video
Chinas Autos
kommen nach Deutschland
heute.de:
Der Mao
Landwind (ähnlich Opel Frontera) ab 17.000 Euro zeigt, was auf
uns zu kommt. Die ersten 200 Modelle eines niederländischen
Importeurs gingen weg wie warme Semmeln. Deutsche Expertern hoffen,
Verbraucher könnten sich an billigem Plastik, schludrig montierten
Gummi-Dichtungen, langen Schaltwegen oder Motor-Technik von vor zehn
Jahren abschrecken lassen. Glauben Sie das auch?
Becker:
Nein. "Geiz ist geil". Eben darum gingen sie auch weg wie warme
Semmeln. Und die nächsten 1500 Stück werden auch so weg gehen.
Allerdings sind das noch keine Volumen, die die etablierten
Hersteller hier schrecken müssen.
Aber: Was passiert, wenn die Chinesen die Qualität in den Griff
kriegen und die Autos immer noch billig bleiben? Und genau so wird
es kommen. Das heißt dann nichts anderes, als das im ohnehin schon
gesättigten westeuropäischen Automarkt eine neue Runde im
Verdrängungswettbewerb eingeläutet wird. Mit anderen Worten: Der
Crashkurs der gesamten Branche wird durch zusätzlich importierte
chinesiche Automobile wie den Landwind nur weiter beschleunigt.

Landwind rollte am 5.Juli in Antwerpen vom Frachter
heute.de:
Was können wir
Deutsche asiatischen Herstellern entgegensetzen, wenn sie auch
Qualität liefern und "emotionalisieren"?
Becker:
Da helfen nur
niedrigere, wettbewerbsfähigere Kosten. Zu diesem Ziel gibt es zwei
Wege: Schließung der Fertigung hierzulande und Abwanderung an einen
Niedriglohn-Standort. Oder: Mehr und besser arbeiten zu niedrigeren
Löhnen und Kosten. Die Gesetze der Betriebswirtschaft sind hart aber
leider nicht veränderbar.
........
Zum zweiten Teil des Interviews
weiter >>
[Das Interview finden Sie im
Archiv
von ZDF-heute.de]
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