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heute.de: Sie schreiben in Ihrem neuen Buch der Zenit des Job-Motors
Automobilindustrie sei in Deutschland überschritten. Droht der
Branche das gleiche Schicksal wie dem Bergbau?
Zitat
Das Potenzial an billigen Arbeitskräften ist irgendwann
einmal erschöpft.
Helmut Becker
Becker:
So schlimm kann es, muss es aber nicht kommen. Das hängt
davon ab, ob und wie sich Deutschland dem globalen Kostenwettbewerb
stellt. Nach meiner Einschätzung müssen wir mit den Lohnkosten etwa
25 bis 30 Prozent runter, dann haben wir eine gute Überlebenschance.
Wir haben unser Schicksal selbst in der Hand, sind also nicht
fremdbestimmt.
heute.de: Fachwissen flitzt immer schneller um den Globus und wird
dort angewandt, wo die billigsten Arbeitskräfte zu finden sind. Wird
die Billigspirale Ihrer Meinung nach jemals durchbrochen werden?
Becker:
Ja. Das Potenzial an billigen Arbeitskräften ist irgendwann
einmal erschöpft. Dann steigen die Löhne auch dort, das sieht man an
Tschechien, Ungarn, Polen und anderen. Der Globus ist endlich und
das in jeder Beziehung.
heute.de: Welche Bedeutung hat die deutsche Zulieferindustrie für
die gesamte Automobil-Branche?
MEDIATHEK
Video
Zulieferer-
und Autoindustrie in Ostdeutschland
Becker:
Die Zulieferindustrie ist das Rückgrat der deutschen
Automobilindustrie. Ohne die Innovationskraft und Kreativität der
vielen mittelständischen Familienunternehmen wäre die deutsche
Automobilindustrie schlecht dran. Namen wie Woco, Webasto,
ElringKlinger oder Giganten wie Bosch, Siemens Automotive stehen für
Engagement, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Sie lassen mich
hoffen, dass die deutschen Automobilhersteller den
Verdrängungswettbewerb mit Hilfe der Zulieferer halbwegs überstehen.
Ohne diese Tugenden haben wir im internationalen Kostenwettbewerb
keine Chance. Nicht ohne Grund haben ja gerade die am Aktienwert
gemessenen (shareholder value) Unternehmen der Großindustrie, ohne
effiziente Kostenkontrolle und Führung, die größten Probleme. Die
mittelständischen Familienunternehmen schlagen sich besser.
heute.de: Dennoch, gerade die mittelständischen Zulieferer sind
einem sehr hohen Wettbewerb ausgesetzt. Befürchten Sie weitere
Stellenstreichungen?
Ein Drittel der Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie
(rund 150.000 Stellen) könnten dem globalen Kostenwettbewerb zum
Opfer fallen. Wieviele der restlichen 650.000 Stellen verbleiben
hängt davon ab, ob und wann ein Hersteller durch den
Verdrängungswettbewerb gezwungen wird, seine Werke hier in
Deutschland zu schließen. Das wäre dann ein Dammbruch.
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[Das Interview finden Sie im
Archiv
von ZDF-heute.de]
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