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Cover Heute heute.de, 16.07.2005

"In die Zulieferindustrie setze ich
meine ganze Hoffnung"


Ex-BMW-Chefvolkswirt Becker im heute.de-Interview

von Frank R. Schulz

Fortsetzung

   

heute.de: Sie schreiben in Ihrem neuen Buch der Zenit des Job-Motors Automobilindustrie sei in Deutschland überschritten. Droht der Branche das gleiche Schicksal wie dem Bergbau?

Zitat

Das Potenzial an billigen Arbeitskräften ist irgendwann einmal erschöpft.
Helmut Becker

Becker: So schlimm kann es, muss es aber nicht kommen. Das hängt davon ab, ob und wie sich Deutschland dem globalen Kostenwettbewerb stellt. Nach meiner Einschätzung müssen wir mit den Lohnkosten etwa 25 bis 30 Prozent runter, dann haben wir eine gute Überlebenschance. Wir haben unser Schicksal selbst in der Hand, sind also nicht fremdbestimmt.

 

heute.de: Fachwissen flitzt immer schneller um den Globus und wird dort angewandt, wo die billigsten Arbeitskräfte zu finden sind. Wird die Billigspirale Ihrer Meinung nach jemals durchbrochen werden?  

Becker: Ja. Das Potenzial an billigen Arbeitskräften ist irgendwann einmal erschöpft. Dann steigen die Löhne auch dort, das sieht man an Tschechien, Ungarn, Polen und anderen. Der Globus ist endlich und das in jeder Beziehung.

 

heute.de: Welche Bedeutung hat die deutsche Zulieferindustrie für die gesamte Automobil-Branche?

MEDIATHEK

Fertigungsstraße mit Arbeitern Video Zulieferer- und Autoindustrie in Ostdeutschland

Becker: Die Zulieferindustrie ist das Rückgrat der deutschen Automobilindustrie. Ohne die Innovationskraft und Kreativität der vielen mittelständischen Familienunternehmen wäre die deutsche Automobilindustrie schlecht dran. Namen wie Woco, Webasto, ElringKlinger oder Giganten wie Bosch, Siemens Automotive stehen für Engagement, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Sie lassen mich hoffen, dass die deutschen Automobilhersteller den Verdrängungswettbewerb mit Hilfe der Zulieferer halbwegs überstehen.

Ohne diese Tugenden haben wir im internationalen Kostenwettbewerb keine Chance. Nicht ohne Grund haben ja gerade die am Aktienwert gemessenen (shareholder value) Unternehmen der Großindustrie, ohne effiziente Kostenkontrolle und Führung, die größten Probleme. Die mittelständischen Familienunternehmen schlagen sich besser.

 

heute.de: Dennoch, gerade die mittelständischen Zulieferer sind einem sehr hohen Wettbewerb ausgesetzt. Befürchten Sie weitere Stellenstreichungen?  

Ein Drittel der Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie (rund 150.000 Stellen) könnten dem globalen Kostenwettbewerb zum Opfer fallen. Wieviele der restlichen 650.000 Stellen verbleiben hängt davon ab, ob und wann ein Hersteller durch den Verdrängungswettbewerb gezwungen wird, seine Werke hier in Deutschland zu schließen. Das wäre dann ein Dammbruch.  



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[Das Interview finden Sie im Archiv von ZDF-heute.de]

PRESSE
 

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[07/2005]

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