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Cover Manager Magazin manager-magazin.de, 07.09.2005

"Verhartzte Struktur"
Von Christian Buchholz  

14.000 Stellen weniger bis 2008 - das soll Volkswagens internes Ziel sein. Besonders betroffen ist dabei das Werk Wolfsburg. "Es ist am wenigsten produktiv, weil dort die Struktur verhartzt ist", sagt Autoexperte Helmut Becker. In der Branche wird nun beobachtet, ob die Betriebsräte zu Verhandlungen über den Haustarif bereit sind.

Wolfsburg - Lohnhoch in Wolfsburg: Einen Aufschlag von 20 Prozent auf den Branchentarif zahlt Volkswagen den meisten Mitarbeitern am Stammwerk, aber auch in Braunschweig, Emden, Salzgitter und Kassel. Erst die im Jahr 2005 neu abgeschlossenen Verträge sind vom VW-Bonus weitgehend befreit. Doch bei Umsatz und Gewinn tritt der Konzern auf der Stelle. Ganz anders die Volkswagen-Tochter Audi . Deren Löhne sind um ein Fünftel niedriger als bei VW, Umsatz und Gewinn steigen aber stetig.

 
© DPA
Unter Sparzwang: Selbst verschuldete Kostenprobleme im Wolfsburger VW-Stammwerk?
Verkehrte Welt? "Die Prämie im VW-Haustarif ist ein Kernproblem", sagt Albrecht Denninghoff, Autoanalyst bei der HypoVereinsbank . Er rechnet in seinem heute erschienenen "Company Flash" vor, dass die Belastung durch die erhöhten VW-Gehälter 1,3 Prozent des Konzerumsatzes ausmacht - 1,1 Milliarden Euro pro Jahr.

Auch Helmut Becker, ehemals Chefvolkswirt bei BMW und heute Chef des IWK-Büros für Wirtschaftsanalyse in München, hält die Lohnpolitik für nicht unbedenklich. Unter Verweis auf den scharfen Kostenwettbewerb (Toyota , Hyundai und andere) sagte Becker gegenüber manager-magazin.de zum Haustarif: "Ich würde als verantwortungsbewusster Volkswagen-Betriebsrat nicht stur auf der Einhaltung bestehen. Denn jede Modifikation heute lindert den Schmerz morgen."

IG Metall: VW-Beschäftigte bis 2011 geschützt

Dass der Schmerz am Standort Wolfsburg nun besonders heftig brennt, liegt aus Beckers Sicht gerade an den überdurchschnittlich hohen Lohnkosten. "Für Investitionen fehlte in Wolfsburg über Jahre schlicht das Geld, es wurde in die Löhne investiert", kritisiert Becker. Neue Arbeitszeitmodelle in Wolfsburg hätten das Problem nicht gelöst, sondern "lediglich kaschiert". Die neueren, moderneren VW-Werke seien dagegen ungleich ökonomischer zu betreiben.

Die Gewerkschaft IG Metall bekräftigte am Nachmittag allerdings, angesichts der aktuellen Situation zeige sich der Wert des im vergangenen Herbst abgeschlossenen Tarifvertrages, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließe.

"Die Beschäftigten bei VW sind bis 2011 vor Entlassungen geschützt", unterstrich ein IG-Metall-Sprecher am Dienstag in Hannover. Zu möglichen Nachbesserungen im Vertrag, die nicht auf den Kündigungsschutz abzielen, äußerte sich die Gewerkschaft nicht.

Eine Million VWs mehr pro Jahr sind möglich

Volkswagen-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder hatte bereits am gestrigen Montag während einer mehrstündigen Betriebsversammlung angekündigt, dass das Wolfsburger Stammwerk vom geplanten zusätzlichen Stellenabbau besonders stark betroffen sein werde. Konkrete Zahlen nannte der Konzern aber bisher noch nicht. "Wir reden über Kosten, nicht über Köpfe", sagte ein Sprecher. Die Zahl der anzustrebenden Quote für den Stellenabbau ergebe sich erst im zweiten Schritt.

Nach übereinstimmenden Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Wolfsburger Nachrichten", die sich auf hausinterne Planungsunterlagen für Führungskräfte beziehen, sollen europaweit 14.000 Stellen im Konzern wegfallen. Kündigungen kommen zum Stellenabbau wegen des bis 2011 laufenden Haustarifvertrages nicht in Frage.

LRP stuft Aktie hoch

In den betroffenen deutschen Werken arbeiten rund 103.000 Mitarbeiter. VW kann nach eigenen Angaben weltweit sechs Millionen Autos pro Jahr bauen, hat 2004 aber nur 5,1 Millionen verkauft. Die Marke VW steckt seit vergangenem Jahr in den roten Zahlen.

In einer aktuellen Analyse der Landesbank Rheinland-Pfalz wird die Strategie des VW-Managements begrüßt. Der Personalabbau durch Vorruhestands- beziehungsweise Abfindungslösungen werde zwar das Ergebnis 2005 und 2006 belasten, aber langfristig die Profitabilität positiv beeinflussen.

Der Wille der Konzernführung zu Reformen sei zu erkennen. Die Analysten erhöhten ihre Einstufung von "Marketperformer" auf "Outperformer" und das Kursziel von 45 auf 48 Euro.


[Diesen Artikel finden Sie im Archiv des Manager Magazins]


 

 

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