 |
|
 |
 |
|
 |
 |
 |

 |
|
 |
manager-magazin.de, 15.11.2005
T O Y O T A
"Attacke auf BMW, Mercedes & Co. "
Von
Dr. Helmut Becker
Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt vollzieht sich auf dem
japanischen Automobilmarkt im Premiumsegment ein geradezu
schicksalhafter Umbruch: Toyota betritt mit seiner Edelmarke Lexus
erstmals mit Nachdruck den Heimatmarkt. |
 |
 |
 |
München - Zum Auftakt der Tokio Motor Show vor
wenigen Wochen vermeldete der Verband der Automobilindustrie (VDA)
voller Zuversicht: "Deutsche Automobilindustrie in Japan gut
positioniert". Mehr noch: Die deutsche Automobilindustrie verstärke
sogar noch ihre Präsenz in Japan.
 |
|
|
 |
| Lexus-Studie: Auf der
Tokio Motor Show gab Toyota mit dem LF-Sh einen
Ausblick auf die nächste Generation der
Premiummarke |
|
 |
 |
In der Tat, wichtige Unternehmenskennziffern scheinen
dies ohne Einschränkung zu belegen. So konnten die deutschen
Hersteller ihre Automobilexporte nach Japan im bisherigen
Jahresverlauf um 27 Prozent auf 75.000 Fahrzeuge steigern,
einschließlich der im Ausland gefertigten Automobile mit deutschem
Label sogar auf knapp 140.000. Auf die Premium Marken BMW ,
DaimlerChrysler entfielen dabei jeweils 40.000, auf Audi 13.000
Automobile; Volkswagen war mit 40.000 am Export beteiligt - übrigens
keine Phaetons!
Damit erreichten sämtliche deutsche Marken in Japan der Stückzahl
nach einen Marktanteil von rund 3,5 Prozent. Wertmäßig war der
Anteil mit 7 Prozent sogar doppelt so hoch, Ausdruck dessen, dass
der durchschnittliche Exportwert eines deutschen Pkw nach Japan mit
über 28.000 Euro doppelt so hoch ist wie der Durchschnittswert eines
von Japan nach Deutschland importierten Pkw. Mit der Folge dass der
Ausfuhrwert der deutschen Automobilindustrie nach Japan im
bisherigen Jahresverlauf um 13 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro
zulegte, während der Importwert aus Japan um 3,4 Prozent auf 2,2
Milliarden Euro zurückging.
Damit konnte die deutsche Automobilindustrie trotz des starken Euro
einen positiven Automobil-Handelsbilanzüberschuss von 100 Millionen
Euro erwirtschaften. Was VDA-Präsident Bernd Gottschalk zu der
freudigen Bemerkung veranlasste: "Wir setzen auf unsere neuen
attraktiven Produkte und sind zuversichtlich, unsere Position in
Japan weiter zu verbessern".
Schön wär's! Zu wünschen wäre es ja der deutschen
Automobilindustrie, allein schon aus gesamtwirtschaftlichen
Wachstums- und Beschäftigungsgründen, nachdem in den vergangenen
Monaten die Branche eher durch Negativschlagzeilen, wie Korruption
und Massenentlassungen von sich reden gemacht hat.
Die Wirklichkeit sieht allerdings leider etwas trüber aus. Und daran
sind die deutschen Hersteller nicht ganz unschuldig. Denn die
Berichte der deutschen Automobiljournalisten von der Tokio Motor
Show über die Präsentation des deutschen Modellangebotes im
Wettbewerbsvergleich mit den asiatischen Konkurrenten waren alles
andere als berauschend, und zwar in allen Belangen, technisch wie
stilistisch.
Helmut Becker: "Auf Crashkurs -
Automobilindustrie im globalen
Verdrängungswettbewerb"; Springer 2005, 280
Seiten, 69,95 Euro.
Buch bestellen
|
|
Zum einen wollen die Japaner bereits auf der nächsten Motor Show
2007 die ersten Serienautos mit Brennstoffzelle vorstellen, bei
Honda und Toyota bereits mit Reichweiten von 500 Kilometern.
Deutsche Hersteller rechnen nicht vor 2012 mit dem Serieneinsatz.
Von einem Technologievorsprung, den die deutschen
Automobilhersteller immer für sich als Pluspunkt reklamiert haben,
um andere Nachteile bei Qualität und Kosten zu kompensieren, kann
offensichtlich keine Rede mehr sein, jedenfalls nicht mehr bei
zentralen Basistechnologien für das 21.Jahrhundert.
Zum anderen leisten sich deutsche Hersteller nach Meinung der
Fachjournalisten unerwartete Designflops. Da ist sogar im Hinblick
auf die Gestaltung der Stufenhecks von der "stilistischen
Dreifaltigkeit aus Fadesse, Pomp und Merkwürdigkeit" die Rede, wenn
über BMW 3er, Mercedes S-Klasse und VW Passat gesprochen wird. Auf
der anderen Seite zeige Toyota mit den Lexus-Modellen IS,GS und LS,
dass man im elitären Umfeld der Top-Premiummarken eine eigene
Formensprache gefunden habe, die hohe Wertigkeit mit subtiler
Dynamik verbinde.
Das meistverkaufte Luxusauto in den USA
Oh je! Diese Designschwäche der Europäer kommt zum denkbar
ungünstigsten Augenblick, nämlich just zu dem Zeitpunkt, an dem
Toyota wie weiland die Kinder Israels vor Jericho in Japan zur
Attacke auf die Premiumimporteure ansetzt. Und damit auf eine bisher
kaum angefochtene Marktnische, in der bisher fast nur deutsche
Nobelmarken glänzten.
Und dieser Angriff erfolgt auf ganzer Breite mit einem eigens
geschaffenen Netz von 143 exklusiven Lexus-Niederlassungen auf einen
Schlag. Und obwohl die Toyota-Marketingabteilung genau weiß, dass
das Image der deutschen Nobelmarken so leicht nicht zu erschüttern
ist, vertraut man voll auf die eigenen Stärken und die Effizienz des
eigenen Händlernetzes. Schließlich hat man den Lexus bereits 1989
erstmals auf dem US-Markt eingeführt, auch damals von den
europäischen Importeuren zunächst mild belächelt. Mit knapp 290.000
Automobilen pro Jahr ist der Lexus inzwischen das meistverkaufte
Luxusauto in den USA.
So nimmt es nicht Wunder, dass Toyota fünf Jahre nach Ersteinführung
in Japan über 100.000 Lexus verkaufen will. Berücksichtigt man, dass
in 2004 alle deutschen Nobelmarken Audi, BMW und Mercedes 96.273
Automobile zusammen verkauft haben, sind deutliche
Marktanteilsverluste der deutschen Importeure programmiert.
Aber nicht nur das: Auch die Gewinnmargen werden erheblich unter
Druck geraten. Denn Toyota eröffnet die Eroberung des Heimatmarktes
mit ausgesprochenen Kampfpreisen: Der billigste Lexus wird für 3,9
Millionen Yen oder 29.900 Euro angeboten. Damit kann man in Japan
vergleichsweise wenig deutschen Autoluxus erwerben.
Die deutschen Nobelhersteller gehen in Japan unruhigen Zeiten
entgegen.
Der Autor ist Leiter
des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK) in
München.
[Diesen Artikel finden Sie im
Archiv des Manager Magazins]
|
 |
 |
|
 |
 |
|
">
mehr Infos
|  |