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Hintergrund
„Dem Wecker dankt keiner“
Burkhard Müller
Dieses Buch soll sich ausschließlich auf
die Schwächen und Fehlentwicklungen in der deutschen
Automobilindustrie konzentrieren, auf objektive Kunstfehler in der
reinen Betriebswirtschaft wie auf subjektive menschliche
Fehlleistungen. So ist es aufgebaut.
Es möchte Hintergründe und Abgründe
aufdecken, Zusammenhänge herstellen und Ursachen analysieren. Und
möchte zeigen, was kommt, wenn die Automobilindustrie, aber auch die
übrige Wirtschaft, nicht bald anfängt, wach zu werden und
umzusteuern.
Denn die Welt ringsherum schläft nicht,
Deutschland ist nicht die Insel der Seeligen, auf der man auch ohne
Arbeit und Leistung vergnüglich und auskömmlich leben kann. Mehr als
die Hälfte der Menschheit möchte an unserem Wohlstand teilhaben. Sie
haben sprichwörtlich Hunger auf Mehr als das Wenige, das sie heute
ihr Leben nennen.
Und setzen es dafür sogar aufs Spiel,
wie die täglichen Meldungen über Bootsflüchtlinge aus dem Magreb
oder illegale Einwanderer aus der gesamten Welt nach Europa belegen.
Und sie sind leistungswillig und bereit, zu Hungerlöhnen zu
arbeiten. Alldieweil in der deutschen Automobilindustrie
Arbeitsplätze gefährdet wurden, nur weil die Gewerkschaften es
ablehnten, dass an Samstagen in diesem Lande gearbeitet werden darf.
Oder der Meinung sind, Wochenarbeitszeiten über 28,5 Stunden hinaus
seien des Teufels, ganz zu schweigen von einer Rückkehr zur
40-Stunden Woche oder mehr. Zitiert sei an dieser Stelle der
bayerische Kabarettist Günter Grünwald, der im Zusammenhang mit der
„Knut-Mania“ die Frage stellte: „Ja leben wir denn alle im Plem-Plem
Land“?
In Kapitel 1 wird zunächst das wirtschaftliche
Röntgenbild der deutschen Automobilindustrie erstellt, um ihre
Bedeutung für das Land klar zu machen. Wenn dieses Buch davon
handelt, wie die deutsche Automobilindustrie das Land in die Krise
fährt, so muss man fairerweise eingestehen, dass die Branche nicht
an allem selber Schuld ist. Natürlich gibt es Gefährdungspotenziale,
die von den externen Rahmenbedingungen kommen, gesättigte
Absatzmärkte, Globalisierungsschäden etc., für die die Branche
nichts kann, die aber gleichwohl bei allen ihre negativen Spuren
hinterlassen. Und natürlich der heraufziehende Klimawandel! Hiervon
handelt Kapitel 2.
Ans Eingemachte geht es dann in den
Kapiteln 3. und 4.
In Kapitel 3 sind das vor allem
Fehler, die den nationalen Schwergewichten der Zunft,
DaimlerChrysler und Volkswagen, die im Ausland als Synonym für den
deutschen Wiederaufstieg der Nachkriegszeit stehen, zugerechnet
werden müssen. Natürlich nicht ausschließlich, denn selbstredend
gibt es auch strategische Fehler, die unisono alle gemacht haben;
auch Audi, BMW und Porsche. Die aber deren Erfolgskurs nicht
nachhaltig beschädigt, sondern nur temporär eingebremst haben. Opel
und Ford kommen insofern besser weg aber trotzdem nicht zu kurz, als
sie vor allem unter den Auswirkungen der amerikanischen
Personalpolitik und der Finanznot ihrer amerikanischen Mütter
leiden. Wer selber keine strategischen Entscheidungen treffen darf,
hat auch keine strategischen Fehler zu verantworten!
Während die Strategiefehler aus Kapitel
3 noch objektivierbar sind, geht es in Kapitel 4 um
Schwächen, die mehr oder weniger persönlichkeitsgebunden sind.
Management by Egozentrik lautet das Schlagwort, das über dem
Kapitel steht. Hier haben, nach subjektiven Kriterien vom Autor
ausgewählt, Männer Wirtschaftsgeschichte geschrieben, die an der
Automobilindustrie festgemacht wird. Und die offenbar auch nur in
dieser Branche, die - allein schon der Formel 1 wegen - stets ein
bisschen mit Glamour und Abenteuer, mit Genie und Wahnsinn, mit
Onkel Dagobert und Daniel Düsentrieb verbunden ist, so passieren
kann. Mit anderen Worte: Die vorliegende Bestandsaufnahme ist
selektiv, und geht nicht akribisch sämtliche Fehler und Schwächen
bei jedem einzelnen Hersteller durch; allein die Recherche dazu
würde Jahre in Anspruch nehmen! Sie beschäftigt sich mit einer
bunten Melange von Einflussfaktoren, die schwerpunktmäßig einzelnen
Hersteller zugeordnet werden. Was aber nicht zu dem Fehlschluss
verleiten sollte, die übrigen seien in dem betreffenden Punkt ohne
Fehl und Tadel! Es wäre nur zu viel geworden. Gewisse Überlappungen
und gelegentliche Wiederholungen waren dabei dennoch nicht zu
vermeiden, der Leser möge das verzeihen.
Wie sich die deutschen Hersteller im
Konzert die übrigen Automobilkonzernen langsam von den Asiaten ins
Abseits drängen lassen, wird in Kapitel 5 durch den
IWK-Survival-Index beschrieben. Welche Fehler die deutschen
Hersteller bei der Erschließung des chinesischen Marktes gemacht
haben und was künftig von einer nationalen chinesischen
Automobilindustrie zu erwarten: besser zu befürchten ist, beschreibt
Kapitel 6. Dieses Kapitel ist insofern besonders wichtig, als
man über die Vorgänge in China hierzulande nur recht rudimentäre
Kenntnisse hat. Und die regelmäßigen Jubel- und Erfolgsmeldungen der
in China produzierenden deutschen Hersteller, möglicherweise
vielleicht doch nicht die ganze Wahrheit spiegeln. Dazu braucht es
eines exzellenten Kenners der Materie, der die Vorgänge seit vielen
Jahren direkt vor Ort unmittelbar miterlebt hat, und in der Lage
ist, dieselbe auch strategisch zu bewerten. Der Bericht von Fank
Sieren stimmt sehr nachdenklich.
In Kapitel 7 wird eine grobe
Abschätzung versucht, was mit Deutschland passiert, wenn die
Automobilindustrie ihre Tragkraft verliert. Eine kurze
Modellrechnung soll einige Schlaglichter zur groben quantitativen
Abschätzung volkswirtschaftlicher Schlüsselgrößen liefern.
Zum Abschluss schließlich wollte der
Autor seinen eigenen Trübsinn bekämpfen, der ihn beim Abfassen
dieses Schwachstellen-Reports der deutschen Automobilhersteller mehr
und mehr befallen hat. Sind denn der Niedergang und die Krise der
einst so stolzen Branche wirklich so unausweichlich? Fährt die
Autoindustrie Deutschland zwangsläufig in Krise? Die Antwort wird
in Kapitel 8 versucht.
Für weiterführende Fragen steht Ihnen das IWK gerne zur Verfügung -
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