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Hintergrund
„Alles, was gegen die Natur ist,
hat auf Dauer keinen Bestand!“
Charles Darwin (1809 - 1882)
Im ersten Teil sollen die Parallelitäten
zwischen Evolution und Selektion in der Natur und in der
Automobilindustrie aufgezeigt und beschrieben werden. Hier geht es
um den Nachweis der Analogie zwischen dem Evolutionsprozess, den
Darwin für Flora und Fauna in der Natur beschrieben hat, und den
Auslese- und Verdrängungsprozessen, denen die Automobilindustrie in
den letzen 100 Jahren unterworfen war. Struggle for Life und
survival of the fittest sind Kernelemente aus Darwins
Theorie, die exakt die Verhältnisse in der heutigen
Automobilindustrie charakterisieren. Diese sind gekennzeichnet durch
schwer zu erschließendes „Neuland“ (China, Indien etc.), „abgegraste
Weideflächen“ (Sättigung der Märkte in der alten Welt) bei
gleichzeitig verschärftem Verdrängungswettbewerb infolge einer
schrumpfenden Anzahl von immer größer werdenden „Fressfeinden“ (Struggle
for Life) um die „Nahrungsgrundlagen“ (auskömmliche Renditen).
Allerdings soll dieser Analogieschluss keine
intellektuelle Spielerei oder pseudowissenschaftliche Fingerübung
sein, sondern er hat das ganz konkrete Ziel, Erkenntnisse über die
Überlebensfähigkeit explizit der deutschen Automobilindustrie
zu gewinnen. Dies wird im zweiten Teil geleistet. Mit das
wichtigste Anliegen des Buches ist es, herauszufinden, wie es zu
Beginn der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts um die
Zukunftsfähigkeit dieser Schlüsselindustrie unserer Volkswirtschaft
in Summe sowie in ihren wichtigsten Einzelteilen bestellt ist. Denn
anders noch als in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden und
können heute Automobile nicht mehr nur in den USA und in Westeuropa,
sondern praktisch auf jedem Kontinent und in fast jedem Land gebaut
werden. Nahezu jede Industrienation, die etwas auf sich hält und
eine bestimmte Größe aufweist, versucht heute, eine eigene nationale
Automobilindustrie aufzubauen und deren Produkte über den Export auf
den Märkten der anderen abzuladen. Die Folge ist ein mörderischer
Verdrängungswettbewerb auf nahezu allen Märkten, vor allem auf den
gesättigten in der „alten“ Welt.
Die deutsche Automobilindustrie mit einer
Exportquote von rund 70% ist diesem Auslesewettbewerb naturgemäß
besonders ausgesetzt. Sie muss sich auch auf Märkten ohne
Heimvorteil durchsetzen. Wie ist ihre Konstitution, wie fit ist sie
beim survival of the fittest? Dieses Kapitel ist für den
Autor besonders „fordernd“, hat er doch in der Mitte der vergangenen
Dekade in diversen Publikationen beschreiben müssen, dass die
deutschen Hersteller in dieser Periode mitunter ein recht
jämmerliches Bild abgegeben haben.
Schwamm drüber, lassen wir die Vergangenheit
ruhen! Fakt ist, dass innerhalb weniger Jahre die deutsche
Automobilindustrie (mit Ausnahme von Opel) sich vom Saulus zum
Paulus gewandelt hat. Sie hat sich in ihrer obersten Personalführung
weitgehend erneuert, der Großmannssucht abgeschworen, sich
strategisch neu ausgerichtet, und klammheimlich und mit großer
Unterstützung der Belegschaften und Betriebsräte viele
überlebenswichtige Hausaufgaben in Vertrieb und in Produktion
nachgeholt.
Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass
manche unserer nationalen „Champions“ auch heute noch in vielen
Fällen nur mit Wasser kochen. Und damit strategisch wie strukturell
im Vergleich zum internationalen Wettbewerb noch erhebliche
Verbesserungspotenziale aufweisen. Denn eines hat die Analyse der
„Fitness“ der deutschen Automobilindustrie gezeigt: Die
Automobilindustrie gibt es nicht in Deutschland. Es gibt nach
dem abrupten Ausscheiden von Porsche noch drei selbstständige
deutsche Automobilhersteller, die völlig heterogen sind. Und zwei
Tochtergesellschaften amerikanischer Konzerne, Ford und Opel.
Und hinzu kommt natürlich noch eine ganze
Bandbreite von hervorragenden Zulieferunternehmen jeglicher
Größenordnung. Kurz: Die deutsche Automobilindustrie ist ein sehr
bunter Haufen! Das macht es notwendig, die Unternehmen – vor allem
die Hersteller – einzeln unter die Lupe zu nehmen, um dann auf das
große Ganze schließen zu können.
Vorab sei hier bereits die These gewagt: Die
strategische und strukturelle Fitness der Branche hat sich in den
letzten Jahren erheblich verbessert. Sie ist als Ganzes
wettbewerbs- und überlebensfähiger geworden, auch wenn finanzielle
Eskapaden von prominenten Vertretern oder Missmanagement bei
ausländischen Konzernmüttern ein durchaus heterogenes Bild abgeben.
Strategische und unethische Irrungen und Wirrungen einzelner
Branchenmitglieder mögen zwar negativ auf das Image der Branche als
Ganzes ausstrahlen, an der positiven Branchensubstanz ändert das
jedoch nichts. Da kann auch der Absatzeinbruch infolge der
Weltfinanzkrise keinen Faden abbeißen! Daran waren die deutschen
Automobilunternehmen völlig unschuldig, das war nicht mangelnder
Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt geschuldet. – Diese
Erkenntnis sollte Mut machen!
Fakt ist, dass sich der Autor in der
Vergangenheit stets sehr kritisch mit der Branche und vor allem
ihren Herstellern beschäftigt hat. Das war auch dringend notwendig.
Und oh Wunder, es hat auch was genützt! Denn es ist ebenfalls Fakt,
dass sich die deutschen Automobilhersteller in den zurückliegenden
Jahren mit großem Erfolg „gehäutet“ und an „Haupt und Gliedern“
erneuert haben. Mit der Folge, dass trotz aller Herausforderungen
durch Ökologie und globalem Wettbewerb sie alle inzwischen eine sehr
positive Zukunftsperspektive haben! – Wenn sie denn keine neuen
Fehler und Narreteien mehr begehen!
Im dritten und letzten Teil des Buches
soll diese empirische Analyse der Standortbestimmung der deutschen
Hersteller, die durch Fakten und Zahlen bestimmt ist, durch eine
emotionale „Analyse des Herzens“ abgesichert werden. Es geht um die
Einschätzung der Zukunft der Branche, und um die Gründe, warum sie
überleben wird! Dieser Teil ist der wichtigste des ganzen Buches! In
zehn Punkten werden jene Fakten und Aspekte analysiert und
zusammengefasst, die den Autor zu der festen Überzeugung gebracht
haben, dass die deutsche Automobilindustrie beste Voraussetzungen
hat, auch die künftigen Herausforderungen des Struggle for Life
zu überstehen. Das kapitalistische Evolutionsgesetz heißt
Wachstum, dem sich alle Spieler am Markt verpflichtet sehen. Wer
nicht mehr wächst, fällt zurück. Stillstand heißt Rückschritt – so
hat es der Autor in seiner ersten BWL-Vorlesung an der Uni
Saarbrücken gelernt. Geändert hat sich daran seither nichts! Lässt
dieses Wachstum nach oder bleibt ganz aus, lassen sich auf Grundlage
der Darwinschen Selektionsüberlegungen für die Marktteilnehmer –
Hersteller und Zulieferer – ziemlich eindeutige
Entwicklungstendenzen vorhersagen. Die Welt-Automobilindustrie
lieferte für die Richtigkeit dieser Überlegungen in den
zurückliegenden 100 Jahren eine wunderbare Blaupause.
Es ist dem Autor ein besonderes Anliegen,
aufzuzeigen, warum es der deutschen Automobilindustrie
gelingen kann, das Naturgesetz der Selektion zwar nicht aus den
Angeln zu heben, aber für sich zum Positiven zu wenden. Er kommt zu
dem Schluss, dass die deutsche Automobilindustrie trotz aller
berechtigten Nörgelei die besten Voraussetzung hat, zu den Gewinnern
im Struggle for Life zu zählen. Denn solange „der Himmel uns
nicht auf den Kopf fällt“ ist sicher, dass es da, wo Verlierer sind,
auch Gewinner geben muss!
Und wer letztlich gewinnt, das ist laut Darwin
ex ante ergebnisoffen, das haben die Spezies durch kritische
Reflexion und Eigengestaltung ihrer Anpassungsfähigkeit selbst in
der Hand! Und es hat sich viel getan in der Branche in den letzen
Jahren. Ja, mit großer Genugtuung könnten im Jahre 2010 patriotisch
gesinnte Ökonomen und Automobilexperten aus Deutschland zu dem
Ergebnis kommen, dass es international keine automobile Gruppierung
gibt, die der deutschen Automobilindustrie in der Summe ihres
technologischen Könnens im Wettbewerb gefährlich werden bzw. ihr
das Wasser reichen könnte. Angeführt wird die Karawane auf
Herstellerseite vom Volkswagen Konzern und BMW, auf der
Zulieferseite von Bosch!
Gerade an dieser Stelle des Buches schien es
dem Autor thematisch angebracht, den Blick einmal über den
Tellerrand von nur wenigen Jahren hinaus weiter in die Vergangenheit
der Nachkriegszeit zu richten. Und danach zu fragen, welchen
Persönlichkeiten die deutsche Automobilindustrie ihre eigentliche
Substanz im internationalen Wettbewerb zu verdanken hat, die heute
ihre Zukunftsfähigkeit garantiert. Wer hatte die Visionen, bei
wem lag die, neudeutsch, die Leadership, die aus Visionen Taten
machte?
Bei Maarten ´t Harts Hommage an seinen
Lieblingskomponisten J.S. Bach liest sich das so:“ Im Reich der
Musik gibt es zwei Komponisten, die – mit dem 1. Buch Samuel 10,23
zu sprechen – ‚ um eines Hauptes größer sind als alles Volk’.
Turmhoch überragen Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart
ihre komponierenden Zeitgenossen. Auch nach ihnen sind, ohne
Beethoven, Schubert, Wagner und Verdi herabsetzen zu wollen, nie
wieder Komponisten hervorgetreten, die ihrer Genialität das Wasser
reichen konnten.“
Übertragen auf die deutsche Automobilindustrie
der Nachkriegszeit stehen dafür ebenfalls zwei Namen: Eberhard von
Kuenheim und Ferdinand Karl Piëch. Zwei Männer, die gegensätzlicher
nicht sein können, die aber bis zum heutigen Tage über ihre eigenen
Unternehmen hinaus eine Gestaltungskraft für die Branche als Ganzes
aufweisen, die ohne gleichen ist. Ihnen hat der Autor deswegen
dieses Buch gewidmet. Völlig losgelöst von den unzähligen
Verdiensten sonstiger gestandener Unternehmer auf Hersteller- wie
Zulieferseite für die deutsche Automobilindustrie; für sie gilt das
Gleiche, was Maarten ´t Hart für die übrigen Komponisten angeführt
hat. Ob nicht eines Tages in der Branche neue geniale „Gestalter“
auftauchen, muss offen bleiben.
Wohl an denn, deutsche Automobilindustrie, an
die Arbeit! Allen deutschen Herstellern und Zuliefern sei ins
Stammbuch geschrieben: „Wer rastet, der rostet“ und „Ohne Fleiß kein
Preis“.
Das sollte allerdings kein Anlass für
neuerlichen Übermut und Firlefanz sein. Auch kein Schulterklopfen
für die Politik, wenngleich ihr auf Initiative und im
Schulterschluss mit dem Verband der Automobilindustrie (VDA) und
dessen umtriebigen Präsidenten Matthias Wissmann mit der
beschäftigungsrettenden „Abwrackprämie“ eine wirkliche Glanztat
gelungen ist.
Schon Goethe wusste: Nur „wer immer strebend sich bemüht,
den können wir erlösen."
Nun ja, ob die Fertigstellung des Buches für den Autor eine Erlösung
war, mag dahin gestellt bleiben. Jedenfalls kann er von sich
behaupten, dass er sich bemüht hat - aber er nicht allein! Denn
bekanntlich irrt der Mensch auch, solange er strebt.
Um diesen Irrtum möglichst gering zu halten,
hat der Autor versucht, soweit es möglich war, alle hier
aufgestellten Thesen, Behauptungen und Ähnliches empirisch
abzusichern, d.h. mit Zahlen und Fakten zu hinterlegen oder in
Schaubildern zu veranschaulichen. Falls dies den mehr belletristisch
orientieren Leser nicht so interessiert, mag er diese Kapitel
überblättern: Sie dienen, wie gesagt, eigentlich nur der
wissenschaftlichen Beweisführung und Redlichkeit.
Von Karl Valentin stammt der
Spruch:
"Kunst
ist schön, macht aber viel Arbeit."
Das
gilt auch für empirisches Arbeiten. Empirie ist immer mühsam!
Für die Verfügbarmachen aller wesentlichen Makrodaten einerseits
sowie der relevanten Automobildaten andererseits, sei an dieser
Stelle der
Feri EuroRating Services AG (Bad Homburg), sowie der
Abteilung Statistik, Analysen und Prognosen
beim Verband der
Automobilindustrie e.V. (VDA), sehr gedankt; ohne deren statistische
Unterstützung hätten viele Thesen und Erkenntnisse nicht so
abgesichert zu Papier gebracht werden können, wie tatsächlich
geschehen.
Aber
Zahlen alleine machen bekanntlich nicht glücklich. Man muss sie zum
Sprechen bringen! Wie bei all seinen Büchern in der
Vergangenheit wäre dem Autor die Fertigstellung des vorliegenden
Buches auch diesmal ohne die helfenden Hände und Hirne und
vor allem das Engagement seiner Mitarbeiter am Institut nicht
möglich gewesen. Gedankt sei dabei insbesondere Dipl. Volkswirt,
M.P.H. Niels Straub für seine im wahrsten Wortsinn umfassende
Betreuung des gesamten Projekts, angefangen bei der Organisation bis
hin zur inhaltlichen und formalen Gestaltung. Weiterhin gilt Dank
den beiden emsigen und kreativen Damen des Instituts, M.A.
Volkswirtin Silvina Igova und M.A. VWL-Studentin Dana Willms, für
sorgfältige Recherche, informative Schaubilder, intelligente
Textbausteine, und kritische Anmerkungen sowie gute Laune und
Temperament.
Und dies war auch nötig, da aufgrund der
Wirtschaftskrise die Finanzierung des gesamten Vorhabens lange Zeit
keineswegs gesichert war, und alle Bitten um Sponsorship an die
Hauptadressaten der Branche selbst, an prominente
Branchenrepräsentanten oder ihre Verbandsorganisation leider auf
taube Ohren stießen. – Der Leser kann also getrost sein: Jeder
Verdacht auf Einflussnahme auf das geschriebene Wort erübrigt sich.
Wäre da nicht der Springer-Verlag gewesen!
Gedankt sei besonders dem verantwortlichen Herausgeber Dr. Werner A.
Müller, zum einen für seine Geduld, zum anderen dafür, dass er den
Glauben an das Gelingen des Projekts seit Anfang 2009 nie verloren
und seine Vollendung tatkräftig unterstützt hat. Ebenfalls sei Frau
Ruth Milewski vom Springer Verlag für die – wie schon bei den
vorangegangenen Publikationen – sorgfältige Betreuung des Buches in
den hektischen Schlusswochen ebenfalls sehr gedankt. Nicht unerwähnt
bleiben darf an dieser Stelle, verbunden mit ebenfalls großem Dank,
das Engagement von Frau Bettina Teskera (Commerzbank München), die
auch in finanziell schwierigen Phasen des Projektes immer wieder
einen helfenden Ausweg gefunden hat.
Besonderer Dank gilt, last but not least, den
zahlreichen Kolleginnen und Kollegen aus Medien und Presse, an
erster Stelle genannt: Financial Times Deutschland (FTD), FAZ,
Welt, Sueddeutsche Zeitung (SZ). Reuters, manager magazin,
Spiegel, Focus, n-tv und den online Redaktionen
der genannten Medien. sowie den einschlägigen
Automobil-Periodika wie Automobilproduktion. Ohne deren
sorgfältig recherchierte und umfassende Berichte und ihre fairen und
abgewogenen Urteile über die Vorgänge vor und hinter den Kulissen
der Branche und über ihre Hauptdarsteller hätte der Autor viele
Dinge nicht oder nicht so pointiert beurteilen können. Ihre
Interviews und Strategiegespräche mit den ganz Großen der Branche
(Akio, Alain, Carlos, Dieter, Ferdinand, Nick, Franz, Martin,
Norbert, Rupert, Sergio usw.) und ihre subtilen Berichte über
diverse Automobilsalons und -messen waren ebenso wertvolle
Informationsquellen und Bewertungshilfen, wie Quell steter
Erheiterung.
Danke also, in bunter Reihenfolge, an alle:
Alexandra, Margret, Gerd, Arne, Marco, Jörg, Heimo, Jens, Georg,
Joachim, Nikolaus, Gregor, Dagmar, Michael, Nils, Christian,
Dietmar, Marc, Chris, Kristina, Stefan, Oliver und, und, und... Der
deutsche Wirtschafts- und Automobiljournalismus ist Spitze! Da mögen
die Großen der Branche auch viel „Dampf plaudern“, strategisch in
ihren Unternehmen viel Unheil anrichten und hin und wieder ein etwas
grenzwertiges Verhalten an den Tag legen, unaufgedeckt und subtil
kommentiert bleibt es jedenfalls nicht!
Soviel zum Prolog! Falls der eilige Leser
bereits hier schon genug hat vom Lesen, sollte er wenigstens vorab
das Credo des Buches mitnehmen, und sich – ganz gleich ob er nun der
Automobilindustrie zugehörig ist oder nicht – tunlichst darauf
einrichten:
Wer sich gegen die Kräfte des
Marktes stellt, hat auf Dauer keine
Überlebenschance!
Für weiterführende Fragen steht Ihnen das IWK gerne zur Verfügung -
kontaktieren
Sie uns!
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