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Phänomen Toyota

 
Hintergrund
 

„Ökonomen dürfen nicht nachlassen, in der Tradition Walter Euckens und Ludwig Erhards gegen den Zeitgeist das notwendige deutlich zu machen. Dazu brauchen wir sinnstiftende Erzählungen“

Prof.Dr. Michael Hüther

Der Aufbau des Buches folgt der Zielsetzung, die Ursachen für den nun-mehr seit 70 Jahren anhaltenden Aufstieg TOYOTAS von der Automobilbastelwerkstatt zum Weltmarktführer der Branche aufzuspüren. Um dann auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse Hinweise für die Wirtschaft im allgemeinen und die Automobilindustrie, vor allem die deutschen Hersteller, im besonderen zu gewinnen, was man anders machen muss, sei es, um besser zu werden oder sei es, um als amerikanischer oder europäischer Automobilhersteller gegenüber TOYOTA langfristig überhaupt eine Überlebenschance zu haben. Denn eines dürfte klar sein: freiwillig und von sich aus wird TOYOTA seinen Eroberungszug auf den Märkten der Welt wohl kaum stoppen. Warum sollte man bei bestimmten angepeilten Weltmarktanteilen stehen bleiben, wenn der Wettbewerb aufgrund von endlosen Errors and Omissions von sich aus aktiv dazu beiträgt, dass dieser Anteil von Jahr zu Jahr größer wird?

In Kapitel 2 wird – ganz klassisch – zunächst das eigentliche „Objekt der Neugierde“ – die Toyota Motor Corporation – vorgestellt: Wie sich das Unternehmen TOYOTA heute in Bezug auf wichtige Unternehmenskenn-größen präsentiert, wie sich Produktion und Absatz und das Vertriebssystem entwickelt haben, und – besonders wichtig – wie die künftigen Geschäfts- und Investitionspläne des Unternehmens aussehen. Für Brancheninsider wie für interessierte Laien also wichtige Facts and Figures.

Unternehmenskultur und Ethik fallen nicht plötzlich vom Himmel, Unterternehmenskultur und Ethik sind auch nichts kardinal Messbares sondern sind geistiges Menschenwerk das wächst und sich über Generationen hin-weg in den Köpfen und Gemütern entwickelt. Bekanntlich wird Unter-nehmenskultur vor allem von den Hauptverantwortlichen, den Männern an der Spitze geprägt, weil vorgelebt. Es sind die Führungspersönlichkeiten in der Wirtschaft, die als Vorbilder für die Herausbildung der eigentlichen Unternehmenskultur maßgebend sind. So ist es auch nicht verwunderlich, dass in der internationalen Business Community Korruption, Bilanzfäl-schungen und Misswirtschaft weniger mit Unternehmen als mit bestimmten Namen in Verbindung gebracht werden – obwohl die Imagewirkungen für das betreffende Unternehmen natürlich teilweise fatal sind.

Vor diesem Hintergrund wird in Kapitel 3 akribisch Leben und Wirken jener Männer nachgezeichnet, die – alle direkt oder indirekt aus dem Dunstkreis der Familie Toyoda kommend – seit der Gründung der Toyota Motor Company 1937 an der Spitze des Unternehmens standen. Ihre Ethik und ihre Einstellungen zu bestimmten Sachverhalten des Lebens haben – vergleichbar den Propheten im Alten Testament – das Unternehmen TOYOTA und seine Unternehmenskultur ausschließlich und bis zum heu-tigen Tage geprägt. Ohne genaue Kenntnisse ihres ethischen Wertegerüstes sind bestimmte Handlungs- und Verhaltensweisen und Ziele von TOYOTA nicht nachvollziehbar. Und noch viel wichtiger: sie wären nicht prognostizierbar!

In Kapitel 4 erfolgt eine Kondensierung der ethischen Grundeinstellungen aller bisherigen Unternehmensführer, wie sie in schriftlicher und veröffentlichter Form ihren Niederschlag in diversen Principles und Guide-lines gefunden haben. Dazu ist zunächst ein bisschen Theorie über Ethik im Allgemeinen und über Ethik in der Wirtschaft notwendig. Dies mag in einem Buch über Wirtschaft den Leser befremden, ist aber notwendig, um nachfolgend im Kapitel 5 den Bezug zwischen konkretem Handeln im Wirtschaftsalltag und den zu Grunde liegenden ethischen Prinzipien leichter herstellen zu können. Nach diesen ethischen Unternehmensleitlinien wurde und wird der TOYOTA - Konzern bis zum heutigen Tage gesteuert, gesamthaft, kontinuierlich und schnörkellos.

In Kapitel 5 wird dann der Versuch unternommen, nachzuvollziehen, wie sich die geballte theoretische Ladung an ethischen Grundprinzipien im praktischen Unternehmensalltag niederschlägt. Kurz: Es geht um gelebte Unternehmensethik à la TOYOTA! Zielsetzung ist, die Verbindung herzu-stellen zwischen bestimmten betriebswirtschaftlichen Verhaltensweisen und den ihnen zugrunde liegenden ethischen Einstellungen. Dies gilt sowohl für die wichtigsten innerbetrieblichen Abläufe und das Verhältnis zwischen Management und Mitarbeitern, wie auch extern für den Umgang mit den beiden Endpunkten der Wertschöpfungskette, nämlich mit den Kunden und mit den Zulieferern. Letzteres hat naturgemäß bei den in die Recherche eingebundenen Zulieferern besonderes Interesse gefunden!

Ein Buch über TOYOTA ohne eine explizite Darstellung des legendären TOYOTA-Produktionssystems (TPS) hätte das Thema verfehlt. Um dem zu entgehen wird in Kapitel 6 ausführlich auf das TPS eingegangen. Allerdings, anders als sonst üblich, weniger aus ingenieur- oder organisations-wissenschaftlicher Sicht als vielmehr aus ethischer Perspektive. Im Vordergrund der Beschreibung steht daher immer die Frage nach der ethi-schen Grundeinstellung, die vorhanden sein muss, um systemimmanent, d.h. freiwillig, nicht durch Zwang und Anordnung, die vom TPS angestrebten betriebswirtschaftlichen Ziele zu erreichen. Denn ohne eine bestimmte ethische Grundeinstellung aller Beteiligten funktioniert das TPS nicht! Wie schafft es TOYOTA aber, aus einer losen und heterogenen Anzahl von Individuen einen homogenen Unternehmensverband mit einheitlicher und gleichgerichteter Denke zu formen? Wie beim Militär?

In Kapitel 7 nähern wir uns dann dem ersten Höhepunkt der Analyse, nämlich dem Lüften des Geheimnisses für den Erfolg von TOYOTA. In kompakter Form wird zusammengefasst, was zuvor an ethischen Bau- und Mosaiksteinchen aufgenommen und umgedreht worden ist.

Nobody is perfect! Auch TOYOTA nicht. In Kapitel 8 wird versucht, die Schwächen von TOYOTA aufzuzeigen. Ganz einfach ist das nicht, denn über Fehlverhalten von Mitarbeitern oder kostspielige Fehlentscheidungen des Vorstands ist bislang so gut wie nichts bekannt geworden. Was nicht verwundern muss, da in den Öffentlichkeits- und PR-Abteilungen westlicher Automobilkonzerne viele Mitarbeiter nur zu dem Zweck beschäftigt werden, eben dieses zu verhindern. Im Falle TOYOTA war der Autor auf Fallbeispiele angewiesen, wie sie in schriftlicher Form von TOYOTA-Mitarbeitern und Kennern über die internen Arbeitsverhältnisse und ihre Erfahrungen damit abgefasst wurden. Was möglicherweise für TOYOTA-Mitarbeiter sämtlicher Hierarchiestufen ein Anreiz sein könnte, etwas Neues über ihr Unternehmen zu erfahren, dazu noch von einem Au-ßenseiter. Eingeräumt sei allerdings, dass die Faktenlage dürftiger ist als das Kapitel lang. Zum Glück haben zunehmende Rückrufaktionen wegen Qualitätsmängeln sowie die Hobbysparte „Hausbau“ etwas greifbareren Stoff geliefert.

Die Quintessenz des Buches beginnt mit Kapitel 9 und 10 und der spannenden Frage, welche Botschaft TOYOTA für die industrielle Welt im 21. Jahrhundert bereit hat: Was ist die Verkündigung für Wirtschaft und Gesellschaft im Allgemeinen und für die Automobilindustrie im Besonderen. Was kann die Automobilindustrie aus der Ethik TOYOTAS lernen? Diese Botschaften TOYOTAS sind allgemeingültig und neutral und somit eher akademisch eingefärbt. Sie zielen nicht auf die spezifische Situation der deutschen Automobilindustrie am Jahresende 2005.

Im Grunde wäre ein solcher Schluss für den deutschen Leser, auf den das Buch in erster Linie zielt, unbefriedigend. Es fehlt irgendwie die Lösung! Dem Autor ging es genauso. Daher hat er sich nach langem Zögern entschlossen, noch ein Kapitel 11 anzufügen, in dem ganz konkret gefragt wird, wo die Stärken und Schwächen der deutschen Automobilhersteller im Vergleich zu TOYOTA liegen. Und was nach dem Unternehmensvorbild TOYOTAS getan werden muss, um zur früheren Wettbewerbsstärke zurück zu gelangen – wenn man das denn wirklich will.

Nun, nach den inzwischen bekannt gewordenen harten Sanierungsschritten bei den Imageträgern der deutschen Automobilindustrie, Daimler-Chrysler und Volkswagen, dürften an der Ernsthaftigkeit keine Zweifel mehr bestehen.

Dem Leser soll nicht vorenthalten bleiben, warum der Autor so lange mit der Behandlung dieser Frage gezögert – und damit den Abschluss des Buches immer wieder verzögert – hat. Dieses Unterfangen ist, offen gestanden, deswegen so schwierig, weil jeder begründete Vergleich zwischen TOYOTA und der deutschen Automobilindustrie ins Leere laufen muss, da es die homogene deutsche Automobilindustrie nicht gibt. Es gibt lediglich vier rein deutsche Automobilhersteller (BMW, DaimlerChrysler, Porsche, Volkswagen), und zwei Tochterunternehmen amerikanischer Konzerne, nämlich Ford und Opel. Jedes dieser Unternehmen ist für sich sehr individuell aufgestellt, jedes Unternehmen hat seine eigene Vita. Die Ausgangslage und der mögliche Handlungsbedarf sind somit für jedes Unternehmen sehr unterschiedlich, jedenfalls alles andere als homogen.

Aus diesem Grund wird der Schwerpunkt der Vorschläge auf jene Schwachstellen gelegt, unter denen alle Hersteller gemeinsam leiden, nicht auf unternehmensspezifische, handwerkliche Kunstfehler im Management oder auf individuelle Fälle von unethischen Verhaltensweisen. Aus der Sicht des Autors macht es auch keinen Sinn, nach rückwärts zu schauen und Fehler der Vergangenheit zu beklagen. Nicht was einzelne Hersteller falsch gemacht haben oder wo ihre Schwachstellen liegen hilft weiter, sondern nur Überlegungen, was die deutsche Automobilindustrie, gemessen am Vorbild TOYOTAS, in Zukunft tun muss, wenn man gegenüber dem asiatischen Wettbewerb langfristig erfolgreich sein will. Jeder deutsche Hersteller wird sich in diesen Vorschlägen wieder finden. Einzuräumen ist, dass diese Betrachtung zwangsläufig über die rein unternehmensbezogene Ebene hinausgehen muss, da der gegenwärtige Zustand der deutschen Automobilindustrie auch die in Deutschland vorherrschenden wirtschafts-, sozial- und arbeitsmarktpolitischen sowie gesetzlichen Rahmenbedingungen widerspiegelt, für die die Unternehmen, vor allem die jetzige Managergeneration, selber nur begrenzt verantwortlich sind. Wobei auffallend ist, dass selbst mit widrigen Rahmenbedingungen einige Hersteller, wie z.B. BMW und Porsche, bestens auszukommen scheinen.

In Kapitel 12 werden dann alle wesentlichen Überlegungen nochmals so zusammengefasst, dass sich alle in der Wirtschaft Tätigen, die sich angesprochen fühlen, Kraft und positive Impulse für die künftige Gestaltung ihrer Unternehmen schöpfen können. Denn merke:

Nichts ist unmöglich!

 
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